Willkommen

Willkommen auf meinem Blog.
Die zukünftigen 11 Monaten werde ich in Cúcuta, Kolumbien verbringen und dort als Freiwilliger in einem Projekt mit behinderten Kindern arbeiten.
Ich werde versuchen möglichst oft alle Erfahrungen, die ich in diesem Zeitraum mache, hier zu hinterlassen.
Viel Spaß beim Lesen.

Inken

02.07.2012

Englischunterricht mit kleinen Teufeln




Die letzten 6 Monate in Tunja habe ich in einer öffentlichen, etwas außerhalb liegenden Grundschule Englischunterricht gegeben.
Hier war das Motto nicht „Viel lernen, damit man nicht durchfällt“ sondern „wozu lernen, wenn die Lehrer eh Mitleid mit einem haben und einen durch lassen“.
Es war für mich sehr schwer am Anfang mich an die Unterrichtsweise und die „Disziplin“ hier in Kolumbien zu gewöhnen. Ich als Gymnasiastin war es gewöhnt während der Unterrichtsstunde auf meinem Platz zu sitzen, mich zu melden, wenn ich was sagen wollte und immer meine Hausaufgaben zu machen und für Tests zu lernen (jedenfalls meistens).
Hier in Kolumbien ist es so, dass die Schüler ohne Erlaubnis von ihren Plätzen aufstehen, durch den Klassenraum laufen (während des Unterrichts), die Antworten in den Raum schreien, auch wenn man eine andere Person dran genommen hatte, nur selten Hausaufgaben machen und so gut wie nie lernen.
Und daran hat das Englisch natürlich gelitten. Kein Wunder, dass hier in Kolumbien kaum ein Schüler gut Englisch kann. Sowas wie Vokabeln lernen gibt’s es hier einfach nicht. Alle Lehrer versuchen spielend Englisch beizubringen, wo natürlich nichts hängen bleibt. Und als ich meinen Schülern Vokabeln zum Lernen aufgegeben habe und ihnen gesagt habe, dass Vokabeln lernen jeden Tag die Hausaufgabe sei, habe ich gleich beim ersten Vokabeltest gemerkt, dass sie nicht einmal ihr Heft zu Hause aufmachen. Ich habe schnell gelernt, dass wie ich in Deutschland Englisch gelernt habe, sie das nie tun würden. Man muss sogar beim Abschreiben der Vokabeln zu jedem einzelnen gehen und kontrollieren ob sie auch wirklich abschreiben. Dann heißt es nach 20 Minuten Abschreibzeit: Ich hab aber keinen Kugelschreiber- Dann schreib mit dem Bleistift, Ich hab mein Englischheft vergessen- Dann schreib auf ein Blatt Papier, Was sollen wir machen?- Die Vokabeln abschreiben, wie ich es schon 5-mal gesagt hab…
Dadurch, dass die Schüler meistens durch den Raum gelaufen sind und laut waren wurde ich auch sehr kreativ. Ich hab es mit Schreien probiert, mit Drohen, mit Höflich bitten, mit schlechten Noten verteilen, aber nichts hat so wirklich geholfen. Manche waren sogar so dreist und haben nachdem ich sie frontal angeschrien hab, sie sollen sich doch hinsetzten mit  „warten Sie kurz, mach ich gleich“ geantwortet.
Am Ende des Semesters, als die Noten Verteilt werden sollten, wäre die Hälfte der Klasse teilweise durchgefallen, trotz benoten von Zeichnungen und den Heften. Und da kam das, was mich am meisten verblüfft hat. Die Klassenlehrerinnen meinten, ich solle doch nur wenige Schüler durchfallen lassen, am besten ja gar keine, weil wir sonst als Lehrer schlecht dastehen würden.
Also das Fazit des Englischunterrichts in Kolumbien: die Schüler lernen eh nicht also gibt man ihnen gute Noten auf Grund von Basteleien und Malereien und bestehen so den Englischunterricht.
Doch obwohl mir die Kinder manchmal jeden letzten Nerv geraubt haben, vermiss ich sie jetzt schon. Besonders die, die mir immer die Hoffnung gegeben haben, dass sie doch was aus den letzten Monaten in Englisch gelernt haben und meine Vorschulklasse, mit denen ich ja eh nur Malen, Basteln, Singen und Spielen konnte. Die haben sich auch von allen am besten verhalten und waren außerdem noch so süß.

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