Die letzten 6 Monate in Tunja habe ich in einer
öffentlichen, etwas außerhalb liegenden Grundschule Englischunterricht gegeben.
Hier war das Motto nicht „Viel lernen, damit man nicht
durchfällt“ sondern „wozu lernen, wenn die Lehrer eh Mitleid mit einem haben
und einen durch lassen“.
Es war für mich sehr schwer am Anfang mich an die
Unterrichtsweise und die „Disziplin“ hier in Kolumbien zu gewöhnen. Ich als
Gymnasiastin war es gewöhnt während der Unterrichtsstunde auf meinem Platz zu
sitzen, mich zu melden, wenn ich was sagen wollte und immer meine Hausaufgaben
zu machen und für Tests zu lernen (jedenfalls meistens).
Hier in Kolumbien ist es so, dass die Schüler ohne Erlaubnis
von ihren Plätzen aufstehen, durch den Klassenraum laufen (während des
Unterrichts), die Antworten in den Raum schreien, auch wenn man eine andere
Person dran genommen hatte, nur selten Hausaufgaben machen und so gut wie nie
lernen.
Am Ende des Semesters, als die Noten Verteilt werden
sollten, wäre die Hälfte der Klasse teilweise durchgefallen, trotz benoten von
Zeichnungen und den Heften. Und da kam das, was mich am meisten verblüfft hat.
Die Klassenlehrerinnen meinten, ich solle doch nur wenige Schüler durchfallen
lassen, am besten ja gar keine, weil wir sonst als Lehrer schlecht dastehen
würden.
Doch obwohl mir die Kinder manchmal jeden letzten Nerv
geraubt haben, vermiss ich sie jetzt schon. Besonders die, die mir immer die
Hoffnung gegeben haben, dass sie doch was aus den letzten Monaten in Englisch
gelernt haben und meine Vorschulklasse, mit denen ich ja eh nur Malen, Basteln,
Singen und Spielen konnte. Die haben sich auch von allen am besten verhalten
und waren außerdem noch so süß.
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